Saturday, August 11, 2007

Viva La Revolution! - Teil 2

Basis der "Neuromatrix Theorie" ist es nicht mehr aus Sicht eines externen Beobachters zu denken, sondern sich in das Gehirn des Patienten zu versetzen - und zwar speziell den Teil der automatisch und unbemerkt seine Arbeit verrichtet.

Den Behandler interessiert nicht mehr das Körperbild das seine Augen haben - sondern das Körperbild das das Gehirn verwendet um Entscheidungen (z.b. über Bewegungen) zu treffen.

Beispiel: im "alten" Denkmodell war nach einer Amputation des Unterarms dieser nicht mehr vorhanden. Er war ja schliesslich nicht mehr zu sehen - weder für den Therapeuten noch für den Patienten. Deswegen konnte man sich auf Phantomschmerzen auch keinen Reim machen und keine effektive Therapie entwickeln. Die Therapien die es gab haben versucht periphere Auffälligkeiten zu verringern - Beseitigung von Vernarbungen, etc. - jedoch alle nur mit teilweisem Erfolg, d.h. nur ein kleiner Prozentsatz der Patienten hatte weniger Schmerzen und das auch nur für gewisse Zeit.

Im neuen Denkmodell (der "Neuromatrix") versetzt man sich in den autonomen Teil des Gehirns. Und dieser "sieht" sehr wohl noch einen Unterarm - weil die entsprechende Karte noch auf der Gehirnrinde vorhanden ist. Sie ist zwar verändert (siehe neurale Plastizität) - aber das stört wenig.

Da das neue Modell jetzt endlich die Ursache für diese Art von Schmerzen berücksichtigt ist es möglich geworden Therapien einzusetzen die über 90% Erfolgsquote aufweisen.

Die gute Nachricht dabei: alle Arten von chronischen Schmerzen teilen sich das gleiche Entstehungsprinzip - und sind daher mit ähnlichen Techniken behandelbar.

Die Suche nach eindeutigen Schäden war und ist ja auch im Bereich (chronischer) Rückenschmerzen katastrophal fehlgeschlagen. In den meisten Fällen - bei den sogenannten unspezifischen Schmerzen - lassen sich keine Auffälligkeiten finden die die Schmerzen und das Schmerzverhalten erklären können.

Nach dem neuen Modell geht man davon aus dass es weniger einer Reparatur bedarf ,sondern dass die Therapie auf ein "Tuning"/ein "neu kalibrieren" des Bewegungsapparates hinauslaufen muss. Gordon Waddell ist hier der bekannteste (und beste) Vorreiter dieses Denkens.

Die Forscher die die genauen Einzelheiten untersuchen setzen sich aus einer bunten Mischung zusammen: die meisten sind Psychologen (v.a. experimentelle Psychologen), andere sind Ärzte - und auch der ein oder andere Physiotherapeut ist dabei (Lorimer Moseley).

Und wie im ersten Teil schon beschrieben: wer ist für die Umsetzung dieser Therapien im Alltag zuständig?

Offiziell gibt es noch keinen Beruf der das macht - wieso greifen wir nicht einfach zu!?

Und noch viel wichtiger: ist es moralisch vertretbar dass chronisch Schmerzgeplagte effektive Therapien vorenthalten werden einfach weil manche nicht bereit sind das alte Denkmodell aufzugeben? Müssen wir uns wirklich noch die alten Phrasen wie "so hab ich das (vor 20 Jahren) gelernt?" anhören und warten bis diese Leute in Rente gehen um etwas verändern zu können?

Möchten wir selber wenn wir alt werden und Schmerzen haben eine Erleichterung/Heilung oder sind wir mit dem zufrieden was "man schon immer gemacht hat" (auch wenn es nachweislich nicht hilft)?

Ich sehe das nicht so.

Und genau hier gibt uns das Internet die Möglichkeit endlich eine Verbindung zwischen den Wissenschaftlern und den Patienten herzustellen - zu deren Wohl (und mit deren Geld) die Forschung ja schliesslich betrieben wird.

Wir sind so in der Lage die Verbreitung neuer Therapien und Denkansätze massgeblich zu beschleunigen damit mehr Menschen geholfen werden kann. Mein Blog soll dazu seinen Beitrag leisten.

Wenn man sich anfangs mit der Neuromatrix Theorie auseinandersetzt und über die Möglichkeiten nachdenkt die sich auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens ergeben kann einem schon mal der Kopf rauchen; aber keine Angst: je mehr man diesen Denkansatz versteht umso leichter wird es.

Your Tax-Dollars (Euros) At Work

2 comments:

OAndreas said...

Du fragst wer für die Umsetzung zuständig ist. Das wird doch grundsätzlich wieder mal ein bürokratisches Problem in unserem Gesundheiutswesen sein - oder? Wären da Heilpraktiker nicht optimal dafür, die können ja (soviel ich weiss) unübliche Methoden einsetzen und berechnen?

Matthias Weinberger said...

Naja - eigentlich müssen nur alle Beteiligten innerhalb des Gesundheitswesens begreifen dass sie über den eigenen Tellerrand schauen müssen.
Man kann sich - um erfolgreich zu sein - nicht nur mit seinem eigenen Fachgebiet beschäftigen.
Ich möchte also zunächst ein Umdenken in Gang bringen.

Bis sich ausserdem die Bürokratie dazu hinreissen lässt etwas zu verändern ist die Wissenschaft schon wieder einen Schritt weiter - die Aufholjagd kann man nicht gewinnen. ;-)

Heilpraktiker rechnen meist direkt mit dem Kunden ab - wir könnten sowas aber auch auf privater Basis anbieten. Wir haben ausserdem den Vorteil dass wir das neue Denken und die neuen Therapien mit in die Behandlung einfliessen lassen können - von daher wären wir ganz gut positioniert.